Die Benediktinerinnenabtei Säben bei Klausen/Südtirol gehört erst seit 1974 zur Beuroner Kongregation. Das Südtiroler Kloster besteht aber seit 300 Jahren und bewahrt in seinen Felsfundamenten und schroff ansteigenden Mauern die Erinnerung an einen frühchristlichen Bischofssitz - Sabiona, Sebona -, der sich hier, auf dem steil über dem Eisack aufragenden Bergkegel, im 5. - 6. Jahrhundert aus einer spätrömischen Siedlung entwickelt hat. Das älteste christliche Zeugnis ist ein in den Felsen gehauenes Taufbecken aus dem 4. Jahrhundert. Drei von den vier Säbener Kirchen stammen in ihren Grundmauern noch aus der Zeit der frühen Bischöfe und Glaubensboten. Kurz vor der Jahrtausendwende wurde die bischöfliche Residenz ins Tal verlegt, nach Brixen an die für die mittelalterliche Reichspolitik so wichtige Brennerstraße. Säben blieb fürstbischöfliche Wehrburg, bis 1533 ein Blitzschlag die Bergfestung einäscherte. Erst eineinhalb Jahrhunderte später erbarmte sich ein Klausener Stadtpfarrer der Trümmerstätte auf dem alten heiligen Berg, Kanonikus Dr. Matthias Jenner. Er stellte zunächst die verwahrlosten Kirchen wieder her, die immer noch Pilgerscharen aus den benachbarten Alpentälern anzogen. Sein Eifer drängte ihn weiter: »Zu der Ehr Gottes und des Nächsten Heil« baute er in den Ruinen der einstigen Bischofsburg ein Kloster und erbat sich Benediktinerinnen vom »uralt berühmten hochadeligen Stift Nonnberg« in Salzburg. Die Nonnberger Äbtissin Johanna Franziska von Rehling (1657 - 1693) unterstützte opferwillig Jenners Gründungspläne und sandte im Februar 1685 drei Chorfrauen und zwei Laienschwestem ins südliche Tirol. Nach schwierigen Anfängen - Jenners Mittel schienen nicht auszureichen, und das Leben auf dem Berg war hart - fand die Gründung kirchliche Anerkennung. Durch Dekret des Brixener Fürstbischofs Johann Franz Graf Khuen wurde das neue »Kloster zum Heiligen Kreuz von Säben« 1686 feierlich eröffnet. Die Gemeinschaft wuchs rasch, 1699 wurde das Kloster Abtei und die Gründungspriorin M. Agnes von Zeiller erste Äbtissin († 1715). Ihre vier Nachfolgerinnen im ersten Jahrhundert der Klostergeschichte hatten wohl immer mit wirtschaftlicher Not zu kämpfen, doch spricht aus der alten Chronik ein hochgemutes geistliches Streben. Schwere Prüfungen kamen über die Kommunität durch die napoleonischen Kriegswirren bis zum Tiroler Volksaufstand (1796 - 1809): mehrmalige Besatzung, Plünderung, schließlich Aufhebung des Klosters durch die bayerische Regierung. Die Schwestern ließen sich aber nicht vertreiben und nahmen bald ihr gemeinschaftliches Beten und Arbeiten wieder auf Sie waren nun freilich so verarmt, daß sie sich für die nächsten Jahrzehnte wegen der hohen Taxen keine Äbtissin mehr »leisten« konnten. Ab 1860 verpflichteten sie sich, gestützt durch eine Stiftung aus dem österreichischen Kaiserhaus, zur Ewigen Anbetung (bis 1909) und unterhielten eine Nähschule für Landmädchen.
Neue
Begeisterung für die monastische Lebensform nach der Regel St. Benedikts
erwachte, als die 1878 gewählte Oberin M. Ida Urthaler Verbindung zur Beuroner
Exilskommunität in Volders/ Nordtirol fand. 1880 besuchte Prior Benedikt
Sauter, der »erste Novize« der Brüder Wolter und spätere Abt von Emaus/Prag,
die Säbener Mitschwestem. Sie erbaten Unterweisung im Chorgebet und Choralgesang,
»da wir erfuhren, daß diese hochwürdigen Patres einen so überaus
schönen Chor halten«. Ein lebhafter Austausch mit den Beuroner Neugründungen
Seckau und Ernaus begann, Besuche von Mitbrüdern und Äbten brachten
Anregung und Ermutigung. Man bemühte sich um die Wiedererrichtung der Abtei:
1882 wurde in M. Ida Urthaler zum erstenmal seit 70 Jahren wieder eine Äbtissin
auf Lebenszeit gewählt und geweiht. Die Klosterkirche, von Matthias Jenner
200 Jahre zuvor im Palas der alten Burg erbaut, wurde im Beuroner Stil renoviert.
Seit 1903 erhielt Säben »nach hundertjähriger Unterbrechung« benediktinische
Spirituale aus der Beuroner Kongregation. Seit 1910 lebte die Kommunität
nach den Satzungen der Beuroner Frauenklöster. Dann unterbrach der Weltkrieg
die aufstrebende Entwicklung der Südtiroler Abtei, die nach 1918, nunmehr
im Staat Italien, wieder notvolle Jahrzehnte durchzustehen hatte. Die Verbindung
zu den österreichischen und deutschen Abteien riß jedoch nicht mehr
ab, und der Hilfsbereitschaft der Mitbrüder und Mitschwestem nördlich
der Brennergrenze war es schließlich zu verdanken, daß auf dem 18.
Beuroner Generalkapitel 1974 der Anschluß Säbens an die Kongregation
auch juridisch zustande kam, nachdem er geistig seit fast einem Jahrhundert
vorbereitet war.
Das
liturgische Gotteslob, auf dem Säbener Felsen durch 300 Jahre nicht verstummt,
ist auch heute noch die schönste Aufgabe der Kommunität, die in zwei
nachwuchsarmen Jahrzehnten freilich auf einen Bruchteil ihres einstigen Bestandes
zusammengeschrumpft ist. Die Schwestern erarbeiten ihren Lebensunterhalt in
Garten und Landwirtschaft, Obst- und Weinbau, betreuen die wieder lebhaft aufgeblühte
Wallfahrt zu den alten Säbener Heiligtümern, nehmen Gäste auf,
fertigen Paramente. »Fundamenta eius in montibus sanctis« (Ps 87, Inschrift
in der Säbener Hl.-Kreuz-Kirche) - auf dem heiligen Berg mit einer uralten
kirchlichen Tradition, auf dem Felsen der Treue Gottes vertrauen sie dem Herrn
der Geschichte ihre Zukunft an. Seit 1970 leitete die aus der Abtei Herstelle
stammende Schwester Marcellina Pustet als 10. Äbtissin die Gemeinschaft.
Nach ihrer Abdankung im Jahre 1996 übernahm Sr. Maria Ancilla Hohenegger
als 11. Äbtissin die Leitung des Klosters.
Der Konvent zählt 15 Schwestern.
| An Wochentagen: 5.30 Morgenhore 7.30 Eucharistiefeier 11.30 Mittagshore 17.30 Vesper 20.15 Komplet |
An Sonntagen: 6.00 Morgenhore 8.30 Eucharistiefeier 11.30 Mittagshore 16.30 Vesper 20.15 Komplet |
Benediktinerinnenabtei
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